George Grosz würde sich im Grabe umdrehen – Zum „Verkauf“ des Dragonerareal #BIMA

2014-10-28-banner_pm
Artikel als .pdf

George Grosz würde sich im Grabe umdrehen

Kritische Kunst als Feigenblatt, um hochpreisige Immobilienentwicklung politisch zu legitimieren, George Grosz hat diesen Umgang nicht verdient

Wir fordern den Senat und den Bund auf, den noch nicht vollzogenen Verkauf des ehemaligen Dragoner-Areals in Kreuzberg an einen privaten Immobilien-Projektentwickler sofort zu stoppen.

Arne Piepgras, der Eigentümer des „Stattbad Wedding“, hat nach eigener Aussage den Zuschlag für das noch im Besitz des Bundes befindliche sogenannte Dragoner-Areal in Friedrichshain – Kreuzberg zum Höchstgebot von 36.000.000 Euro erhalten.

Entstehen sollen: ein Kunstmuseum, 30 Ateliers und Galerien, einige Wohnungen und vor allem Gewerbeflächen. Laut Florian Schöttle (ehemaliger Atelierbeauftrager des bbk – Bund bildender Künstler) soll das den Bedürfnissen der Kreuzberger Bevölkerung gerecht werden. Das Bündnis Stadt von Unten (BSVU) bezweifelt, dass dieses Konzept diesen Bedürfnissen entspricht.

Gemäß den Aussagen des Projektentwicklers in der taz von heute sollen hier 9.000qm Ateliers und Galerien, sowie ein Museum für den Nachlass des Künstlers Georg Grosz in den Räumen der LPG (unter 1.000qm, Erg. BVSU) entstehen.

Schon diese Flächen für Kunst und Kultur sind undefiniert. Sind das günstige Ateliers, langfristig gesichert? Es ist nach den Friedrichshainer und Weddinger Erfahrungen mit Piepgras unwahrscheinlich, dass dieser Entwickler Flächen für die Kunst uneigennützig und dauerhaft günstig zur Verfügung stellt. (Siehe: http://wirbleibenalle.org/?p=2309)

Bei der vom Investor angesetzten Bebauungsdichte (GFZ 2.0 ) können insgesamt auf dem Areal 94.000qm BGF entwickelt werden. Was passiert also mit den restlichen 84.000, die nicht Kunst und Kultur vorbehalten sind?

Die angesprochenen ein Drittel Wohnen (etwa 28.000qm Nutzfläche (NF), Erg. BVSU) sind in ihren Konditionen (Eigentumsverhältnis, Kaufpreis, Miethöhe) nicht definiert, ebensowenig wie die 45.000qm NF Gewerbe, die zu hohen Mieten oder Kaufpreisen sehr profitabel verwertet werden können. (1)

Hier sollen also ein Museum für einen verstorbenen kritischen, linken Künstler sowie ein paar Atelierflächen und evtl. eine Handvoll bezahlbare Wohnungen dafür herhalten, die Privatisierung und renditeorientierte Entwicklung zehntausender Quadratmeter Flächen politisch zu legitimieren?

Auch wenn dieses Resultat durch das durch den Bund unbeirrt durchgezogene Bieterverfahren nicht verwunderlich ist, so ist es mehr als fragwürdig, das sich auch zentrale Akteure der sich als alternativ verstehenden Stadtentwicklerszene, die sich an anderer Stelle als Aktivisten für eine transparente Liegenschaftsvergabe einsetzen, an Arne Piepgras Konzept beteiligen und dieses damit politisch legitimieren.

Dass die Nachbarinnen und Stadtbewohner sich bei den bisherigen Beteiligungsverfahren vor allem bezahlbaren Wohnraum gewünscht, und Angst vor einer weiteren Aufwertung haben scheint ihnen nicht in den Sinn zu kommen. Nach Bedürfnissen gefragt hat dieser Investor unseres Wissens nach weder bei den Initiativen noch bei den Nachbarn. Wenn das Geld auf den Tisch gelegt wird, ist es für Konzepte und Wünsche, die wirklich etwas verändern bereits zu spät – das muss sich dann vor allem rechnen und das, schnell.

Hier wird versucht mit Kunst und Kultur in einem intransparenten Vergabeverfahren auf dem bestehenden Planungsrecht jegliche Beteiligung und Teilhabe der StadtbewohnerInnen, MieterInnen und Künstlerinnen zu umgehen. Ausverkauf, Intransparenz und kurzfristig gedachte Stadtentwicklung mit garantierten Verdrängungsprozessen.

Nach den fast beleidigten Reaktionen des Berliner Senats auf den Volksentscheid zum Tempelhofer Feld wird hier eine einzigartige Chance vertan. Hier könnte annähernd der für das Tempelhofer Feld versprochene Anteil an bezahlbaren Wohnungen realisiert werden.

Zu hoffen bleibt noch auf den Bezirk. Leider fordert der weiterhin lediglich 20 – 30% bezahlbare Wohnungen – ob vom Gelände oder nur dem Wohnanteil und auch was bezahlbar heißt, bleibt unklar . Nicht zu vergessen: eine Grünfläche und eine KITA!

Die Kreuzberger Bevölkerung, die BewohnerInnen dieser Stadt und die, die neu dazukommen, brauchen dringend bezahlbaren Raum. Kultur darf nicht gegen eine sozialen Stadtentwicklung instrumentalisiert werden.

Es muss verhindert werden, dass Konzepte solcher Investoren für gut befunden werden – wir müssen endlich langfristige und nachhaltige Konzepte diskutieren, entlang der Bedürfnisse derer, die sich am Markt nicht behaupten können. Es kann nicht angehen, dass die wenigen verbleibenden, noch in öffentlicher Hand befindlichen Grundstücke nun mit einer Art politsch-kulturellen Mischkalkulation vergeben werden. Hier ein Investor, hier ein armer Mieter, und dort ein armer Künstler. Ihr habt schon die ganze Stadt verkauft! (z.b. Bahn-, Post-, Behala- sowie tausende städtische Grundstücke und Objekte, städtische Wohnungsbau und Gewerbegsellschaften wie GSW und GSG, die gerade in Kreuzberg viele Objekte haben) .

Dem Senat und der Bundesregierung sagen wir: Ihr habt euren Teil an der Mischkalkulation schon längst vergeben. Der Rest gehört zu 100 Prozent den Armen, den Künstlern . Tempelhof genauso wie Dragoner.

Deshalb fordert das Bündnis Stadt von Unten für Bundes- und Landeseigene Grundstücke die Entwicklung von 100% bezahlbaren Wohn- und Arbeitsflächen, in kommunalem Eigentum mit Selbstverwaltung und langfristiger Absicherung, um der in Kreuzberg und stadtweit stattfindenden Verdrängung und enormen Mietsteigerungen entgegen zu wirken.

Wo ist das möglich, wenn nicht hier?
Das Bündnis Stadt von Unten…

  • fordert die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben auf, die Veräußerung öffentlicher Flächen an private Investoren hier und anderswo sofort zu stoppen
  • fordert den Bund auf, ihre Ziele einer sozialen Stadtentwicklung genau dort umzusetzen
  • fordert die SPD auf, zusammen mit den Stimmen der Grünen und Linken im Haushaltshausschuss des Bundestages dem Verkauf des Areals die Zustimmung zu verweigern
  • fordert den Bezirk auf, den bestehenden Bebauungsplans mit sofortiger Wirkung auszusetzen
  • fordert den Senat und Bezirk die nach Tempelhof versprochene Beteiligung und Transparenz ernst zu nehmen und politisch umzusetzen
  • fordert Michael Müller, Stadtentwicklungssenator und zukünftigen Bürgermeister dazu auf, für den dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum mit langfristigen Konzepten hier einzustehen und Stellung zu beziehen
  • die Stadtgesellschaft gemeinschaftlich dazu auf, dafür einzustehen, dass kein Euro öffentliche Förderung an diesem Gelände und anderswo mehr in private Taschen fließen und dass öffentliche Grundstücke und Immobilien einer nachhaltigen und gemeinnützigen Nutzen zukommen. Es sind schon genug öffentliche Gelder in private Taschen geflossen, das machen die paar Millionen eines privaten Investors in öffentliche Kassen nicht wett.
  • fordert von der Stadt eine würdige Präsentation der großartigen Werke von George Grosz in einem nicht von Investoren bestimmten Umfeld

(1) – Zum Vergleich: Es wurden in einem anderen Gebot , das sozial und ökonomisch gerechnet hatte 22.300qm Nutzfläche bezahlbare Wohnungen + Genossenschaftsflächen, also 575 WEs in kommunalem oder genossenschaftlichem Eigentum „angeboten“, davon 340 bezahlbar (6,50-7,50 Euro/ qm), auch hier wären 20.200qm NF Gewerbeflächen, davon langfristige abgesichert und selbstverwaltet 5.500qm (das entspräche 137 Ateliers/ bzw. Kleingewerbeflächen oder Werkstätten) mit einem eingepreisten Beteiligungsverfahren mit seriösem Zeitrahmen.

stadtvonunten.de                            info@stadtvonunten.de

Print Friendly, PDF & Email

RBB Klartext 15.10.2014: Bezahlbarer Wohnraum in Berlin – auf Kosten des Bundeshaushalts?

Bezahlbare Wohnungen im Innenstadtbereich, das ist ja ein Dauerbrennerthema für die Berliner. Dabei gäbe es für das Land Berlin jetzt eigentlich eine gute Gelegenheit, günstig an Immobilien heranzukommen: Der Bund will etliche seiner Filetgrundstücke in Berlin verkaufen. Der Haken an der Sache ist nur: Bundeseigene Immobilien dürfen nur an den Höchstbietenden verkauft werden. Hat das arme Berlin trotzdem eine Chance?

Andrea Everwien mit Hintergründen.

47.000 Quadratmeter Gewerbebrache mitten in der Stadt: das sogenannte Dragoner-Areal – ein Leckerbissen für Immobilienspekulanten. Innerhalb des S-Bahn-Rings nach dem Tempelhofer Feld eine der größten zusammenhängenden bebaubaren Flächen in öffentlicher Hand.

Print Friendly, PDF & Email

RBB Abendschau 15.10.2014: Mieter bundeseigener Wohnungen müssen weiter bangen

Das im Bundestag durch Grüne und die LINKE beantragte Verkaufsmoratorium wurde mit den Stimmen der CDU und SPD in den entsprechenden Ausschüssen abgelehnt. Begründet wurde dies durch den „Mietexperten“ der CDU Jan Marco Luczak im Tagesspiegel damit, dass die Anträge „europarechtlich höchst problematisch“ seien.

Der RBB berichtet über die Ablehnung des Verkaufsmoratorium und über die Konsequenzen, die Mieterinnen und Mieter müßen weiter bangen.

Print Friendly, PDF & Email

Uniseminar: Spatial Commons – Selbstverwaltet Kommunal

seminar_uniSelbstverwaltetete und eigeninitiierte Wohn- und Arbeitsprojekte mit experimentellen Programmen und langfristiger Sicherheit für die BewohnerInnen sind oft Vorzeigemodelle für eine positive Stadtentwicklung. In ihrer Größe und Struktur sind sie aber nicht in der Lage, die stetig steigenden Probleme von Verdrängung und sozialer Benachteiligung zu lösen – das kann nur unter Mitwirken der öffentlichen Hand geschehen.

Das Seminar untersucht in Zusammenarbeit mit dem zivilgesellschaftlichen Bündnis Stadt von Unten (www.stadtvonunten.de) in einem interdisziplinären Projektlabor bestehende kommunale und selbstverwaltete Projekte strukturell auf Lösungsansätze für sozial nachhaltige, langfristig gesicherte Nachbarschaften. Am Beispiel des ehemaligen Dragoner Areals in Berlin Kreuzberg sollen übertragbare Modelle im Sinne der Stadt als Gemeineigentum entwickelt werden.

Begleitet wird das Seminar vom Wissenschaftsladen Kubus (Kooperations- und Beratungsstelle für Umweltfragen), der Teil der Zentraleinrichtung für Wissenschaftliche Weiterbildung und Kooperation (ZEWK) ist. Im Rahmen des Seminars wird kubus Organisationstechniken und Methodik für die Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Partnern entwickeln und vermitteln (Service Learning/Civil Learning).
In Kooperation mit den Seminar „Spatial Commons 2 – Die Allmende als Urbane Typologie“ und dem Entwurfsstudio „Kreuzberg bezahlbar für Alle!“.

Teilnehmerzahl: 16 – ein Angebot für Studierende aller Fachrichtungen!

 

Zeit: Freitags 14-18 Uhr, TU Architekturgebäude, RAUM A 808

ERSTER TERMIN: FR. 24.10.2014, 14.00, auf dem Areal

Seminare: 24.10., 07.11., 12.12., 09.01. – 14-16 Uhr
Workshops: 14.11., 28.11., 16.01., 30.01. – 14-18 Uhr
Anmeldung unter http://www.cud.tu-berlin.de/topics/spatial-commons-2-die-allmende-als-urbane-typologie/
oder auf der Liste im FG Stollmann, Architekturgebäude A805

 

  • Poster mit mehr Infos als .pdf
  • Flyer als .pdf
Print Friendly, PDF & Email

Müssen wir erst besetzen? – Stadtpalaver 12.10.2014 – 14:00

Dragoner-Kaserne

Müssen wir erst besetzen?

 

Liebe Nachbarn, liebe stadtpolitischen Initiativen,

wir möchten euch für Sonntag den 12.10.2014 zum Stadt-Palaver auf dem ehemaligen Kasernenareal hinter dem Finanzamt Kreuzberg einladen.

Wir möchten uns mit Euch beraten, wie wir auf die Entwicklungen im Verkaufsprozess des Geländes reagieren können. Noch ist es im Besitz der BiMA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben).

Das 4.7 Hektar große Areal in Kreuzberg 61 befindet sich seit dem 31.07.2014 im Höchstbieterverfahren. Trotz breiter öffentlicher Kritik an der Vergabepraxis hält die BImA unbeirrt am Verfahren fest und wurde darin vom Bundesfinanzministrium bestärkt.

Da das Verfahren anscheinend kurz vor Abschluss steht, ist es nun wichtig nochmal öffentlich Druck aufzubauen. Der Verlauf des Verfahrens zeigt, dass im Höchstbieterverfahren Nutzer_innen-orientierte Konzepte die wirklich bezahlbaren Wohn- und Gewerberaum schaffen wollen, sowie Nutzerinnen-Mitbestimmung nachhaltig verankern wollen, keine Chance haben.
Bei dem nun aufgerufenen Grundstückspreis wird ebenfalls jegliches Beteiligungsverfahren zu einer Farce. Der Druck für Investoren den Kaufpreis gegen zu finanzieren, sprich zu vermieten und weiterzuverkaufen, ist so groß, dass kein Platz für Diskussionen bleiben wird.

Es ist nun höchste Zeit nochmal deutlich zu machen, dass dieses Gelände öffentlich ist, und öffentlich bleiben muss! Wir fordern ein sofortiges Verkaufsmoratorium für die BiMA und einen sofortigen Abbruch des laufenden Verkaufsverfahrens!

Kommt möglichst zahlreich!

Wir treffen uns am Sonntag den 12.10.2014 um 14:00 auf dem Areal, an der Ecke Mehringdamm/Obentrautstr.

Euer Bündnis Stadt von Unten

Print Friendly, PDF & Email

Ist das Demokratie? & Stadtpalaver am Sonntag, 12. Oktober 2014

2014-10-10-PM-banner
Pressemitteilung des „Bündnis Stadt von unten“ zur erneuten Verschiebung des Antrags auf einen Verkaufsstopp der BImA-Immobilien

Schon wieder hat der Finanzausschuss des Deutschen Bundestages am Mittwoch, 8. Oktober 2014, die Anträge der Fraktionen DIE LINKE und Bündnis 90/die Grünen auf ein Moratorium für die Verkäufe von Grundstücken und Wohnhäusern durch die BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) verschoben. Genau genommen war es der zuständige Haushaltsausschuss, der die Anträge von der Tagesordnung nahm.

„Es ist beschämend, wenn Bundestagsabgeordnete der CDU und SPD öffentlich ein Moratorium für die Verkäufe fordern, während die Abstimmung dazu wiederholt durch die eigenen Fraktionäre nichtmal zugelassen wird.“ so das Bündnis.

Das „Bündnis Stadt von unten“ protestiert gegen diese einseitige Machtpolitik der Regierungsfraktionen SPD und CDU. PolitikerInnen und Bundestagsabgeordnete aller Parteien haben sich mittlerweile gegen die Privatisierungen öffentlicher Immobilien ausgesprochen – das Bündnis erwartet, dass diesen schönen Worten endlich Taten folgen.

Das aktuelle Höchstpreis-Verkaufsverfahren für das 4,7 Hektar große Gelände der ehemaligen Dragonerkaserne hinter dem Finanzamt Kreuzberg steht symbolisch für die verfehlte Wohnungspolitik. In der Vergangenheit hat die Politik oft erst dann reagiert, wenn Häuser und Grundstücke besetzt wurden. Vielleicht ist es wieder so weit, dass die Stadtgesellschaft sich mit kraftvollen Aktionen Gehör verschaffen sollte, um diese unsozialen Verkäufe endlich zu stoppen.

Das „Bündnis Stadt von unten“ möchte mit NachbarInnen und Interessierten darüber beraten, wie die Forderung nach Schaffung von dringend nötigem Wohnraum für alle umgesetzt werden kann. Statt teurer Stadtvillen, Konsumtempeln oder Kultur für Eliten fordert das Bündnis für das Gelände hinter dem Finanzamt Kreuzberg:

  • 100 % Mietwohnungen
  • 100 % wirklich soziale Mieten
  • 100% dauerhaft abgesichert

Daher lädt das „Bündnis Stadt von unten“ ein zu einem Stadt-Palaver am Sonntag, 12. Oktober 2014 um 14 Uhr auf dem Grundstück an der Ecke Mehringdamm / Obentrautstraße.

stadtvonunten.de

info@stadtvonunten.de

 

Weitere Links:

Print Friendly, PDF & Email

Müssen wir das Gelände erst besetzen? – Stadtpalaver am 12.10.2014

presse07102014
Pressemitteilung des „Bündnis Stadt von unten“ zum aktuellen Stand des Verkaufsverfahrens für das sog. „Dragonerareal“ in Kreuzberg und zu den Anträgen für ein Verkaufsstopp bundeseigener Grundstücke im Bundestag

Auf der Tagesordnung des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages für Mittwoch, 8. Oktober 2014, stehen wieder die – seit Juni mehrfach verschobenen – Anträge der Fraktionen DIE LINKE und Bündnis 90/die Grünen auf ein Moratorium für die Verkäufe von Grundstücken und Wohnhäusern durch die BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben):

Trotzdem werden durch die BImA die Verkäufe öffentlicher Liegenschaften fortgeführt. So befindet sich zum Beispiel das Gelände der ehemaligen Dragonerkaserne hinter dem Finanzamt Kreuzberg am Mehringdamm / Ecke Obentrautstraße aktuell im Höchstpreisverfahren. Das 4,7 Hektar große Grundstück war bereits im Jahr 2012 für 21 Millionen Euro an den Investor ABR German Real Estate verkauft worden. Aufgrund zu erwartender öffentlicher Proteste trat dieser jedoch vom Kauf zurück. Im aktuellen Verkaufsverfahren stehen die Gebote deutlich über 30 Millionen Euro – eine Wertsteigerung von mehr als 50 Prozent, etwa das dreifache des Verkehrswerts – wofür eigentlich?

Derzeit scheinen noch drei Investoren mitzubieten. Einer ist prominenter Kunstsammler, der sich kürzlich in der „Kaufhausrettung“ einen Namen verdiente. Ein anderer möchte Eigentum und Luxuswohnungen mit einem Touch bezahlbaren Wohnens schaffen. Von einem weiteren wird vermutet, dass er das Grundstück vorerst spekulativ ruhen lassen wird.

Dieses Höchstpreisverfahren widerspricht dem erklärten politischen Ziel, bezahlbaren Wohnraum schaffen zu wollen. Demgegenüber fordert das „Bündnis Stadt von unten“ die Schaffung von dringend nötigem Wohnraum für alle:

  • 100 % Mietwohnungen
  • 100 % wirklich soziale Mieten
  • 100% dauerhaft abgesichert

Daher fordert das „Bündnis Stadt von unten“, dass der Bundestag endlich seine politische Verantwortung für die soziale Wohnraumversorgung wahrnimmt und einen sofortigen Stopp der Verkaufsverfahren für das ehemalige Kasernengelände in Kreuzberg, ebenso wie für alle anderen Grundstücke im Eigentum der BImA beschließt.

Das „Bündnis Stadt von unten“ lädt ein zu einem Stadt-Palaver am Sonntag, 12. Oktober 2014 um 14 Uhr auf dem Grundstück an der Ecke Mehringdamm / Obentrautstraße. Dort möchte das Bündnis gemeinsam mit allen Interessierten darüber beraten, wie die Stadtgesellschaft auf diesen Skandal reagieren und was mit dem Gelände hinter dem Finanzamt Kreuzberg geschehen soll. Es handelt sich um eins der größten öffentlichen Gelände in der Innenstadt, und dieses Gelände gehört dauerhaft in öffentliche Hand!

Bündnis Stadt von Unten

info@stadtvonunten.de

Print Friendly, PDF & Email

Bundestag und Bundesregierung verweigern offene Diskussion // Pressemitteilung Stadt von Unten

presse25092014Bundesregierung verweigert offene Diskussion

Antrag auf ein Moratorium der Verkäufe bundeseigener Liegenschaften wieder verschoben

Das „Bündnis Stadt von unten“ protestiert gegen die nochmalige Verschiebung der Anträge auf ein Moratorium für die Verkäufe von Grundstücken und Wohnhäusern durch die BImA im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages am 24. September 2014.

Bereits im Juni hatten die Fraktionen DIE LINKE und Bündnis 90/die Grünen im Bundestag einen Antrag auf einen sofortigen Verkaufsstopp aller bundeseigenen Liegenschaften durch die BImA, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, gestellt. Statt diese Anträge offen zu diskutieren, wurden sie in den Haushaltsausschuss und auf dessen Sitzung nach der Sommerpause verschoben. Damit wurde verhindert, dass die für Juli terminierten Höchstbieterverfahren unter anderem um das sogenannte „Dragonerareal“ in Berlin-Kreuzberg und die Häuser in der Katzler-/Großgörschenstraße in Berlin-Schöneberg rechtzeitig in Frage gestellt werden konnten.

Gestern nun standen die Anträge auf der Tagesordnung des Finanzausschusses des Bundestags. Wieder wurde eine offene Diskussion darum verweigert und die Anträge von der Tagesordnung genommen mit dem Hinweis, die Bundesregierung plane selbst etwas zum BImA-Gesetz. Für das „Bündnis Stadt von unten“ klingt dieses Vorgehen nach einem Vorwand. Das „Bündnis Stadt von unten“ fragt:

  • Wie kann es sein, dass eine Bundesregierung, die damit Werbung gemacht hatte, sich für die soziale Wohnraumversorgung einzusetzen, weiterhin ihre Gelände und Wohngebäude zum Höchstpreis verkauft und damit die Mietpreisspirale direkt anheizt?
  • Wie kann es sein, dass der Bundestag sich einer offenen Diskussion über diese Politik verweigert?
  • Was plant die Bundesregierung?

Das „Bündnis Stadt von unten“ fordert vom Bundestag, endlich Verantwortung zu übernehmen und sich mit dem Thema BImA zu befassen. Die Bundesregierung muss umgehend ein Moratorium für alle Verkäufe von bundeseigenen Liegenschaften veranlassen und Farbe bekennen, wie sie ihr Versprechen einer sozial verantwortlichen Stadtentwicklung einhalten will und was konkret in Bezug auf die BImA und ihre Aufgaben geplant ist.

Das „Bündnis Stadt von unten“ bekräftigt seine Forderung nach Auflösung der BImA und Übertragung aller öffentlichen Liegenschaften unter BImA-Verwaltung in die Hand der jeweiligen Kommunen. Öffentliche Grundstücke und Gebäude dürfen nicht privatisiert werden, sondern gehören dauerhaft in öffentliche Hand. In kommunaler Selbstverwaltung können sie sinnvoll und unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger beplant und verwaltet werden.

Den Privatisierungen zum Höchstpreis, mit denen die Mietpreise nach oben getrieben werden, muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden. Berlin braucht wirklich bezahlbare Mieten, das heißt Mieten, die sich alle leisten können, auch diejenigen, deren Kosten der Unterkunft aus öffentlichen Mitteln bezahlt werden.

Das „Bündnis Stadt von unten“ sieht Bund, Länder und Kommunen gleichermaßen in der Verantwortung zur Gewährleistung einer sozial verantwortlichen Wohnraumversorgung.

Das „Bündnis Stadt von unten“ begrüßt den Vorschlag des Berliner Stadtentwicklungssenators Michael Müller, alle Berliner BImA-Immobilien als Paket zu übernehmen. Auch das „Dragonerareal“ und die Häuser in der Katzler-/ Großgörschenstraße gehören in dieses Immobilienpaket. Das „Bündnis Stadt von Unten“ forderte eine direkte Übertragung an die Kommune, der Bund könnte so die versprochene Förderung sozialer Wohnungsversorgung beginnen einzulösen.

Bündnis Stadt von Unten

stadtvonunten.de
info@stadtvonunten.de

Print Friendly, PDF & Email

Selbstverwaltet und Kommunal

Her mit dem Berliner Modellprojekt in Kreuzberg61 auf dem sogenannten Dragonerareal. Wir wollen dort:

100% Mieten
keine Eigentumswohnungen und Eigentumsprojekte

100% Teilhabe
ohne Eigenkapital, Einlage oder Anteilszeichnung

100% wirklich soziale Mieten
Mieten, die auch für Menschen, die Sozialleistungen beziehen, tragbar sind

100% dauerhaft abgesichert
Privatisierungen werden ausgeschlossen

mehr Infos...