PM Panik in letzter Minute

Pressemitteilung

Panik in letzter Minute

Der Investor des Dragonerareals versucht kurz vor der Entscheidung im Bundesrat Stimmung für sich zu machen. Welche Geschichte kommt als nächstes?

Am Donnerstag, den 23. 4. 15, wird im Finanzausschuss des Bundesrats darüber abgestimmt, ob das ehemalige „Dragonergelände“ hinter dem Finanzamt Kreuzberg an die Dragonerhöfe GmbH, ein global agierender spekulativer Immobilieninvestor, verkauft wird. Nach starkem Gegenwind aus Kreuzberg, Berliner Politik und Presse versucht der Möchtegern-Eigentümer in letzter Minute gute Stimmung zu erzeugen.

Wir hinterfragen hier die Argumente aus der heutigen Presseerklärung der Dragonerhöfe GmbH, formuliert von der eigens angeheuerten PR-Agentur Novem PR:

Die Dragoner Höfe GmbH ist auf der Suche nach dem „typisch(en) Kreuzberger Leben der Vielfalt“ und wollen einen „neuen, authentischen Kreuzberger Kiez entwickeln“. Die Authentizität Kreuzbergs ergibt sich daraus, dass sich die Menschen selbstverwalteten politischen und kulturellen Freiraum schaffen und daraus, dass Kleingewerbe existiert. Das muss nicht neu entwickelt werden, das gibt es schon. Damit lässt sich aber wenig bis kein Profit machen und dürfte dementsprechend unattraktiv für eine Aktiengesellschaft, wie die EPG Global Property Invest, die hinter der Dragonerhöfe GmbH steht und die per se auf Profitmaximierung ausgelegt ist, sein.

Alle Meldungen in der breit versendeten Pressemitteilung der Dragonerhöfe GmbH sind blumige Absichtserklärungen, weil, wie die Pressesprecherin schreibt, erstmal wirtschaftlich geplant werden muss. Es gibt keinerlei vertragliche Vereinbarung oder dauerhafte Selbstverpflichtung für das Gesagte. Heute versuchen sie noch schnell, eine bessere Presse zu bekommen, am Donnerstag nach der Bundesratsentscheidung sieht alles gleich anders aus. Das kennen wir schon aus der Verkaufsgeschichte dieses Geländes, und das kennen wir schon von EPG. So wurde Piepgras nur als Strohmann eingesetzt, der jetzt ausgedient hat, um ein spektakuläres Grozs-Museum anzukündigen. Kurz darauf war davon keine Rede mehr.

Einen typischen Kreuzberger Kiez für das typische Kreuzberger Leben der Vielfalt – will das Investorenkonsortium das?

Typisch Kreuzberg ist: ein Kiez mit einer bunten Mischung an Leuten und verschiedenen, vor allem sehr niedrigen Einkommen. Alleinerziehende auf Mindestlohn, ein Drittel Migrant_innen, illegalisierte Flüchtlinge, dazwischen Lehrer_innen oder zu Geld gekommene Kreativwirtschaftler_innen, junge Leute in Clubs und zugedröhnt, Altersarmut, prekär lebende Akademiker_innen aller Altersstufen, Dealer_innen. Vollgesprühte Wände, Kinderläden, besetzte Häuser, Sozialeinrichtungen, Fixerstuben, Lautstärke tags und nachts und gegenseitige Toleranz, Drogen, Kinderlärm und Wagenburgen….

Um ihre investierten 36€ Millionen wieder an die Aktionäre auszahlen zu können, kann die Dragonerhöfe GmbH aber nur für Hochverdienende planen. Alles andere ist Augenwischerei.

Kreuzberg braucht die günstigen Wohnungen zu 3,50 Euro/qm nettokalt, sozialverträgliche Mieten von 4,50 Euro/qm und gerne auch für die besser Verdienenden Wohnungen für 6,80 Euro/qm. Meint die EPG das mit ihrem Programm? Oder fangen ihre sozialverträglichen Mieten bei 9,50 Euro/qm netttokalt an und gehen bis 16 Euro/qm, wie das zur Zeit alle Bauträger tun, die in Kreuzberg bauen. Es ist für Kreuzberg nicht besser, wenn Miet- statt Eigentumswohnungen gebaut werden, solange diese unbezahlbar sind.

Kreuzberg braucht nicht noch mehr Cafés und Restaurants, sondern Platz für Autoschrauber_innen und kleine Handwerksfirmen. Keine teuren Galerien, sondern billige Ateliers für am Rande des Existenzminimums arbeitende Künstler_innen.

Das einzig (zur Zeit leider) typisch Kreuzbergerische werden die hohen Mieten sein. Kreuzbergs Angebotsmieten liegen aktuell mit an erster Stelle in Berlin.

Die Pressemitteilung verspricht außerdem ein langfristiges Engagement auf dem Gelände, die GmbH wolle Verwaltung und Vermietung selbst übernehme. Bisherige Praxis Beteiligten Gesellschafter ist die Entwicklung und schnelle Verwertung (sprich Weiterverkauf spätestens nach Fertigstellung) von Immobilienprojekten. Wie schon ihre Webseite sagte: minimize risks, maximize profits.

Auch die Wahl des Namens Dragonerhöfe GmbH, zeigt dass man sich offensichtlich nicht und entgegen der Verlautbarung in der PM mit lokalen Akteuren auseinander gesetzt hat. Der Bezirk kämpft seit vielen Jahren und Jahrzehnten darum, dass das Gelände nicht diesen militärischen Namen trägt. Die Geschichte des militärischen Standorts und z. B. der außergerichtlichen Hinrichtungen dort in den Revolutionsjahren 1918/19 ist hinlänglich bekannt. Und jetzt kommt der nächste Projektentwickler und findet diesen Namen auch noch typisch Kreuzbergerisch.

Bündnis Stadt von Unten

stadtvonunten.de info@stadtvonunten.de

Unsere Pressemitteilung als *.pdf: PM-Panik-in-letzer-Minute.pdf


 

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